Leninismus bei der AfD?

Ihre Strategie scheint offensichtlich – vielleicht hat sie ja von Lenin gelernt. Jedenfalls folgt die AfD Lenins Grundgedanken zur Parteiarbeit. Das fällt mir auf, wenn ich den neusten Wirbel um Höckes Ausfälle über das „Denkmal der Schande“ betrachte.

„Шаг вперед два шага назад – „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ – so  betitelte 1904 W.I. Lenin seine Broschüre und warnte davor, zu schnell das revolutionäre Ziel erreichen zu wollen.

Getreu in Lenins Fußstapfen nun die AfD:

  • ein Schritt vor – diesmal wieder Höcke in Dresden und die Empörungswelle ist genau kalkuliert: Nein, Nazi will keiner sein, soll auch Höcke nicht sein…
  • 2 Schritte zurück – ein „Parteiordnungsverfahren“, ein wenig Kritik an der Form, aber nicht  an der Sache, der Vorwurf „aus dem Zusammenhang gerissen“, böswillige Unterstellung…
  • den Rest erledigt die öffentliche Diskussion: Wieder einmal wird der Täter (Höcke) bzw. die Täterin (AfD) zum Opfer. Wer Beispiele braucht, lese bei idea.de die Kommentare dazu und findet erschreckende Parallelen zu längst vergangenen Zeiten, in denen schon einmal mit dieser Salami-Taktik Grenzen verschoben worden…

.. und wieder ist ein Ziel erreicht: die Grenzen des Diskurses sind wieder ein Stück verschoben worden.

Diese Art der Auseindersetzung hat auch weltanschauliche Anteile. Es geht um mehr als um politische Positionen: Die AfD führt einen Kulturkampf um Symbole!

„Das wird man doch noch sagen dürfen…“ – ja, sicher: aber nicht alles und immer und in jeder Situation!

Was darf mann denn sagen? Wollen wir uns als Kirchen diesen Herausforderungen stellen, haben wir doch große Stärken: Kontroversen sind wir bei uns gewöhnt. Bieten wir doch an, zuzuhören und Fragen zu stellen, Rahmenbedingungen zu schaffen. Ich stelle mir das vor, was ich aus der Weltanschauungsarbeit kenne: Dialog und Unterscheidung. Die jeweilige Binnensicht wahrnehmen, auch die Erfahrungen des Abgehängt-Seins, des Vergessen-Seins. Aber dann kritisch zu unterscheiden: Wo werden aus diffusen Ängsten und Ressentiments falsche Folgerungen gezogen? Grenzen überschritten? Menschen verächtlich gemacht? Dann werden wir schnell entdecken: es gibt nicht wenige Menschen, die sich der AfD und ihrem Populismus zuwenden, weil sie sosnt nicht gehört werden, die aber weder rassistisch noch nationalistisch sein wollen. Und es gibt die Produzenten dieser Ideologie – mit ihnen scheint ein Dialog kaum möglich, sie wollen „missionieren“.

Wenn wir uns in diesen Kulturkampf begeben, könnten wir rechtspopulistische Diskursräume verkleinern und Simplifizierungen entgegentreten.

In der westfälischen Kirche gibt es nun die ersten strategischen Überlegungen!